Unterwegs im Neuland. Das Märkische Medienhaus und das Internet

Unterwegs in Slubice
Screenshot der Facebookseite "Unterwegs in Slubice"

Betreibt das „Märkische Medienhaus“ Schleichwerbung auf seiner neuen Serviceseite „Unterwegs in Slubice“?

Update 28.07.2017:

Werbung für Gewerbetreibende kennzeichnet das Märkische Medienhaus nun mit dem Hashtag „Anzeige“ über dem Beitrag. Ansonsten werden hauptsächlich Nachrichten von „Nasze Slubice“ übersetzt und verwertet. Der Autor dieses Artikels kann weiterhin keine Kommentare hinterlassen.

Update 03.07.2017:

Seit kurzem sind einige (werbeträchtige Beiträge) auf „Unterwegs in Slubice“ entfernt worden. Ebenso wurden bei der wöchentlichen Benzinpreise-Übersicht die Logos der Tankstellen gelöscht.

Auch gelöscht wurde ein kritischer Kommentar von mir, der auf die Impressumspflicht dieser Seite zielte. Und blockiert bin ich auf entsprechender Facebookseite nun auch und kann somit keine weiteren (unliebsamen) Kommentare mehr schreiben. Soviel zum Umgang mit Kritik und Social-Media-Kompetenz.


Originalartikel (erschienen am 16. Juni 2017):

Ein bißchen zum Schmunzeln ist es ja schon. Da führt die „Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG“ eine neue, gut gemachte Facebookseite namens „Unterwegs in Slubice“ ein, gibt sich aber erst nach Wochen per Impressum zu erkennen. Und das auch nur nach einer kleinen, verbalen Rangelei in einer Facebookgruppe, in der irgendwann das Stichwort Impressumspflicht fiel (im Internet ist man zu einem Impressum verpflichtet, auch auf Social Media Seiten, da ansonsten Abmahnungen drohen).

Aber nicht nur das. Auf der Seite „Unterwegs in Slubice“ werden polnische Geschäfte und Betriebe beworben ohne genaue Kennzeichnung, dass es sich hierbei um Werbung handelt. Sollte für diese Beiträge Geld gefloßen sein oder wurden anderweitige Versprechungen gemacht, gilt dies laut Telemediengesetz eindeutig als Schleichwerbung, da Nutzer in die Irre geführt werden. Auch ansonsten sollte man sich hier absichern.

Dass sich ein großes Medienhaus so dermaßen blauäugig im Internet bewegt, läßt einen nur staunen oder anderes vermuten. Böse Zungen könnten hier behaupten, dass es sich die Medienleute vom Kellenspring nicht mit der deutschen Werbekundschaft verscherzen wollte und deshalb lieber inkognito geblieben wäre.

Denn welcher Betreiber einer Frankfurter Tankstelle, der Werbung in den Anzeigenblättchen des Märkischen Medienhauses schaltet, sieht es gern, daß das gleiche Medienhaus auf seiner Facebookseite Werbung für polnische Spritpreise und somit für generelles Tanken in Polen macht. Welche Gärtnerei bucht noch Anzeigen in „MäSo“ und Co., wenn auf „Unterwegs in Slubice“ die polnische Konkurrenzgärtnerei angepriesen wird (ohne Werbekennzeichnung!)?

Hier zeigt sich ein Zwiespalt, in dem alle Anzeigenblätter an der polnischen Grenze stecken. Jeder Frankfurter fährt nach Slubice um zu tanken oder einzukaufen. Auch ich. Es ist einfach günstiger in Polen. Nur offiziell schreiben und bewerben können diese Blätter das nicht, da ansonsten die deutschen Anzeigenkunden auf die Barrikaden gehen oder gar abspringen. Einzig geduldete Außnahmen sind sporadische Sonderveröffentlichungen, die vielleicht ein Mal im Monat erscheinen und meist den großen Bazar behandeln.

Ob das Märkische Medienhaus mit seiner neuen Serviceseite auf Facebook einen Weg gefunden hat, dieses Dilemma zu umgehen, bleibt spannend und ist in jedem Fall beobachtenswert.


 

(fra)

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