Unterwegs im Neuland. Das Märkische Medienhaus und das Internet

Unterwegs in Slubice
Screenshot der Facebookseite "Unterwegs in Slubice"

Betreibt das „Märkische Medienhaus“ Schleichwerbung auf seiner neuen Serviceseite „Unterwegs in Slubice“?

Ein bißchen zum Schmunzeln ist es ja schon. Da führt die „Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG“ eine neue, gut gemachte Facebookseite namens „Unterwegs in Slubice“ ein, gibt sich aber erst nach Wochen per Impressum zu erkennen. Und das auch nur nach einer kleinen, verbalen Rangelei in einer Facebookgruppe, in der irgendwann das Stichwort Impressumspflicht fiel (im Internet ist man zu einem Impressum verpflichtet, auch auf Social Media Seiten, da ansonsten Abmahnungen drohen).

Aber nicht nur das. Auf der Seite „Unterwegs in Slubice“ werden polnische Geschäfte und Betriebe beworben ohne genaue Kennzeichnung, dass es sich hierbei um Werbung handelt. Sollte für diese Beiträge Geld gefloßen sein oder wurden anderweitige Versprechungen gemacht, gilt dies laut Telemediengesetz eindeutig als Schleichwerbung, da Nutzer in die Irre geführt werden. Auch ansonsten sollte man sich hier absichern.

Dass sich ein großes Medienhaus so dermaßen blauäugig im Internet bewegt, läßt einen nur staunen oder anderes vermuten. Böse Zungen könnten hier behaupten, dass es sich die Medienleute vom Kellenspring nicht mit der deutschen Werbekundschaft verscherzen wollte und deshalb lieber inkognito geblieben wäre.

Denn welcher Betreiber einer Frankfurter Tankstelle, der Werbung in den Anzeigenblättchen des Märkischen Medienhauses schaltet, sieht es gern, daß das gleiche Medienhaus auf seiner Facebookseite Werbung für polnische Spritpreise und somit für generelles Tanken in Polen macht. Welche Gärtnerei bucht noch Anzeigen in „MäSo“ und Co., wenn auf „Unterwegs in Slubice“ die polnische Konkurrenzgärtnerei angepriesen wird (ohne Werbekennzeichnung!)?

Hier zeigt sich ein Zwiespalt, in dem alle Anzeigenblätter an der polnischen Grenze stecken. Jeder Frankfurter fährt nach Slubice um zu tanken oder einzukaufen. Auch ich. Es ist einfach günstiger in Polen. Nur offiziell schreiben und bewerben können diese Blätter das nicht, da ansonsten die deutschen Anzeigenkunden auf die Barrikaden gehen oder gar abspringen. Einzig geduldete Außnahmen sind sporadische Sonderveröffentlichungen, die vielleicht ein Mal im Monat erscheinen und meist den großen Bazar behandeln.

Ob das Märkische Medienhaus mit seiner neuen Serviceseite auf Facebook einen Weg gefunden hat, dieses Dilemma zu umgehen, bleibt spannend und ist in jedem Fall beobachtenswert.

 

(fra)

 

 

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